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Midwife Monday

#Midwife Monday: Die Hebamme und der Schlaf der Anderen

Eine schöne Tradition in meinem Leben ist, Freunde im Januar zum Neujahrsessen einzuladen. Mit allem PIPAPO.

Ja, es gibt Fleisch. Vom Zehdenicker Fleischer. Mutter und Sohn pflegen hier liebevoll den Beruf des Fleischers. Dem Klischee entsprechend sehen sie auch so aus.

So einige Tricks zum Zubereiten habe ich von ihnen. Ich beginne schon Tage davor einzukaufen, und die Soße zu machen. Für mich die pure Entspannung. In der Küche Musik hören und das Essen vorzubereiten.  Es soll ja perfekt werden. Um 20 Uhr soll es losgehen.

Meine Freunde habe alle Kinder in verschiedenem Alter. Das Kleinste ist ein Junge von 4 Jahren, der, mit einer erstaunlichen Konsequenz, ein Mädchen sein will. Seine Geschwister sind deutlich älter. Aus dem Gröbsten Raus. Ich frage mich, wo der Babysitter ist. Nein, die passen auf sich selbst auf. Die Großen auf den Kleinen. Klappt gut. Mutig, denke ich. Aber warum?

Meine Geschwister waren auch immer da und haben auf uns aufgepasst. Ein Heidenspaß war das. Sie schickt kurz eine Nachricht, dass die Kinder noch nicht im Bett sind, versehen mit einem Ärger Smiley. Ich schaue auf die Uhr: 19:25 Uhr. Sportlich. Wow, wie macht sie das, frage ich die Anderen, die schon  zum Apero in der Küche sitzen und schnattern. Ihre beste Freundin, die sie schon seit Kinderzeiten kennt, meint, das ist bei ihr immer schon so. Es ist Elternzeit und die Kinder schlafen, da gibt’s nicht zu rütteln.

Wenn wir bei ihr zum Essen sind, dann sind die Kinder auch wirklich im Bett und kommen auch nicht noch mal raus, weil sie dann verdursten oder doch noch eine kleine Geschichte fällig ist. Der kleine Junge im rosa Nachthemd schaut kurz wer da ist, um sich dann auf dem Sofa zum Schlafen ein zurollen und unseren leisen Stimmen zu lauschen.

Wir beginnen eine Gespräch über das Schlafen und was sich verändert hat von unseren Eltern zu der Generation der Eltern jetzt. Es kommt der Einwurf zwischen Ost – und West Muttis auf, der sicherlich zutrifft auf mich, denn meine Erziehungs-Sozialisierung hat in der Kultur des Ostens stattgefunden. Mutti und Vati waren immer arbeiten in der Klinik. Hatte meine Mutter Dienst am Wochenende, war es selbstverständlich, dass mein Vater da war. Er hat die weiße Wäsche in Rosa gefärbt, aber wir waren glücklich und hatten tolle Wochenenden mit ihm. Immerhin zu viert, davon ein mal kleine Zwillinge. Er hat uns auf einer langen Wanderung, das Pullern ohne Abhalten gelehrt. Immer noch eine lustige Familiengeschichte.

Ich war eine junge Mutter mit 26 Jahren, aus heutiger Sicht, damals noch in der Nachwendezeit, schon fast zu alt. Spätgebärend. Ich habe nie eine Seite eines Schlaf – Buches gelesen, nie einen Erziehungsratgeber oder eine Philosophie der Erziehung verfolgt. Familienbett war nie ein Thema für mich. Sie hat einfach immer in meinem Bett geschlafen. Ich fand es absurd, in meinem großen Bett alleine zu liegen, und sie in ihrem Bett allein in ihrem Zimmer bei geschlossener Tür.

Ich habe niemals einer Freundin oder einer Frau gesagt, dass sie es genauso machen soll, weil es richtig ist. Das Wort Familienbett gab es noch nicht oder die Diskussionen darüber. Es kann aber auch durchaus sein, dass ich das einfach verpasst habe. Es gibt noch Bilder, wo meine Tochter neben mir unter der dicken Daunen Decke schläft. Heute würde das einen Aufschrei geben, wegen der Überhitzung oder so. Ein Buch gibt’s dazu bestimmt auch. Schlafen ist ein Riesen Thema. Verwöhnen auch.

Eine andere Freundin zog mit ihrem Mann und dem kleinen 6 Monate altem Sohn nach New York. Die Wohnung war winzig und ein eigenes Schlafzimmer hatte das junge Elternpaar nicht. All in. Keine Frage. Als sie nach einem Jahr aus New York zurück kamen, sollte der Junge in seinem eigenem Bett und Zimmer schlafen. Absolute Fehlanzeige.

Der kleine Mann liebte es, in dem sehr kleinen Bett der Eltern, mit seinem Gesicht so nah wie möglich an dem Gesicht der Mutter zu schlafen. Ein Albtraum. Wir redeten uns die Köpfe heiß. Ein großes Loch in der Wand, als einfacher Zugang zum elterlichen Schlafgemach und für die freie Sicht gedacht, half nix. Niemand schlief hier mehr.

Die Nerven lagen blank. Langsames und liebevolles Entwöhnen auch nicht. Sie fand die Lösung, in dem sie einfach in einen Matratzen –  Laden ging und die größte Matratze von 2,50 m x 2,00 m kaufte, die sofort lieferbar war. Der Frieden kehrte in dieses Haus zurück und alle waren zufrieden und glücklich und schliefen wieder selig.

Was ist passiert? Es ist gut, dass wir informierter sind, uns austauschen und Dinge in Frage stellen, die wir als Kinder noch erlebt haben. Sie sollten es besser haben unsere Kinder. Haben das unsere Eltern nicht auch gesagt? Nach dem Krieg, in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwunges, ging es wahrscheinlich aber eher um diesen Aspekt. Mach es doch einfach, wie du magst und dich wohl fühlst mit deinem Baby, würde ich am liebsten sagen, auf die Fragen zum Schlafen oder zum Verwöhnen. Was richtig und falsch ist, denn das weiß ich auch nicht und das weiß niemand.

Die Freundin zum Essen kommt etwas zu spät. Ich frage sie, wie sie das macht? Verständnislos fragend schaut sie mich an: gibt es einen Aperitif? Richtig denke ich: mach es, wie du es magst.

Geschrieben von Sabine Kroh, Hebamme und Expertin bei ONO Labs

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