Mein Mann und ich waren kürzlich bei Freunden eingeladen, die ihre Kinder zweisprachig erziehen. Die Eltern sprechen jeweils ihre Muttersprache. Mit der Mama sprechen die Kinder spanisch, mit dem Papa deutsch und die Eltern wiederum verständigen sich auf englisch. Also lernen die Kids eigentlich drei Sprachen. Beeindruckend und wirklich ein Grund neidisch zu sein. Die Sprachentwicklung der Kinder wurde von Anfang bereichert – sie standen nie unter „Lern-Druck“ sondern haben die Sprachen als Selbstverständlichkeit innerhalb der Familie angenommen.

Oft hört man, dass das Erlernen mehrerer Sprachen dazu führt, dass keine der Sprachen wirklich perfekt gesprochen wird. Das ist Quatsch. Das Gegenteil ist der Fall, denn Kinder haben das Potential spielend mehrere Sprachen von der Geburt an zu lernen. Natürlich machen sie auch mal Fehler, genauso, wie einsprachig aufwachsende Kinder. Nur fällt es einem da weniger auf, weil der Blick nicht so kritisch ist.

Die Kinder unserer Freunde wirkten jedenfalls alles andere als überfordert. Das würde vermutlich nur passieren, wenn die zweisprachige Erziehung in einem negativ behafteten Umfeld stattfinden würde, wenn das Kind unter der Situation leidet oder die Eltern selbst mit ihrer sprachlichen Situation unzufrieden sind.

Umso wichtiger sind die Regeln bei einer mehrsprachigen Erziehung. Die Eltern sollten mit ihrem Kind in der Muttersprache sprechen – das ist ja auch das Natürlichste der Welt. Und sie sollten das konsequent durchziehen, ansonsten wird sich das Kind irgendwann fragen, warum es die Sprache der Mutter bzw. des Vaters überhaupt sprechen soll. Ausnahmen wie z.B. in Gegenwart andere mit dem eigenen Kind eine Sprache zu sprechen, die sonst keiner versteht, sollten bewusst gehandhabt und dem Kind erklärt werden.

Letztendlich müssen die Eltern ein gutes Gleichgewicht zwischen einer konsequenten Spracherziehung einerseits und dem lebendig-alltäglichen Umgang mit Sprachen andererseits finden.